Futtermittelallergien beim Hund

Ein Beitrag von Ingeborg Kulgemeyer

Was ist eine Futtermittelallergie?

Als Futtermittelallergie bezeichnet man eine Unverträglichkeitsreaktion auf bestimmte Futterbestandteile oder Zusatzstoffe, die sich in der Regel mit Symptomen an Haut, Ohren oder Verdauungstrakt manifestiert.

Äußert sich die Allergie an der Haut, kommt es zu Juckreiz, vermehrtem Lecken, verstärkter Schuppen- oder Pustelbildung sowie ekzemartigen Hautveränderungen (Hautaffektionen).
Sind die Ohren betroffen, zeigen sich Symptome wie Hitze, Röte, Entzündung sowie Juckreiz mit zum Teil sekundärem Ohrmilbenbefall.
Macht sich die Allergie am Verdauungstrakt bemerkbar, sind Reizdarm, chronische Formen von Durchfällen und Magen-Darm-Entzündungen häufige Folgen.

Grundsätzlich sollten zwei Arten der Futtermittelallergie unterschieden werden: die primäre und die sekundäre.

Da alle genannten Symptome auch andere medizinische Ursachen haben können, ist eine Futtermittelallergie nicht immer so einfach zu diagnostizieren. Leider wird diese Diagnose in den letzten Jahren von vielen Tierärzten häufig auch fälschlicherweise gestellt. Z. B. wenn die Therapien nicht anschlagen oder ein Tierarztfutter an den Halter gebracht werden soll.

Primäre und sekundäre Futtermittelallergien

Primäre Futtermittelallergie

Bei einer primären Futtermittelallergie reagiert der Hund auf eine bestimmte Futterkomponente, unabhängig von deren Qualität. Diese allergische Reaktion tritt meist schnell ein. Sie ist in der Regel angeboren, kommt aber in der Praxis selten vor. Vergleichbar ist diese Art der Allergie mit einer Erdbeerallergie beim Menschen. Es gibt sie, aber sie ist nicht weit verbreitet.

Um festzustellen, ob der Hund tatsächlich eine primäre Allergie gegen ein bestimmte Zutat hat, ist eine Ausschlussdiät angezeigt. Hierbei füttert man den Hund über eine Woche mit einer für ihn allergenfreien Ration wie z. B. mit Reis und Hühnchen. Danach gibt man die „verdächtige“ Zutat wie. z. B. Weizenflocken hinzu – selbstverständlich pur ohne Zusatzstoffe und in einwandfreier, guter Qualität. Liegt eine primäre Weizenallergie vor, wird die allergische Reaktion innerhalb von wenigen Tagen wieder auftreten. So kann man Schritt für Schritt kritische Zutaten als allergieauslösend oder unbedenklich einstufen.

Sekundäre Futtermittelallergie

Bei der sekundären Futtermittelallergie hingegen reagiert der Hund nicht auf die Futterkomponente selbst. Auslöser der Reaktion ist eine allergene und somit belastende Substanz im Futter. Sie haftet entweder den Futterbestandteilen an (Beispiel: Futtermilben) oder wurde den Rohstoffen in Form von synthetischen Zusatzstoffen (Antioxidantien, synthetischen Vitaminen, etc.) beigemengt.

Typisch für die sekundäre Futtermittelallergie ist die meist verzögert einsetzende allergische Reaktion. Nimmt der Hund über einen längeren Zeitraum Gifte (Toxine) mit dem Futter auf, wird sein Organismus dadurch hypersensibilisiert. Durch die ständige Konfrontation mit den unverträglichen Substanzen bildet das Immunsystem nach einer gewissen Zeit eine Allergie aus. Diese zeitliche Verzögerung ist der Grund, warum das Futter oft nicht als eigentliche Ursache der Allergie erkannt wird.

Die sekundäre Futtermittelallergie ist sehr weit verbreitet und kann jeden Hund treffen. Selbst wenn keine angeborene Veranlagung besteht. Sie lässt sich nur dadurch vermeiden, dass erstklassige, hochwertige und saubere Rohstoffe für das Futter verwendet werden. Auch dürfen keine synthetischen Zusätze enthalten sein.

Synthetische Zusatzstoffe als Allergieauslöser bleiben oft unerkannt

Wichtigste Auslöser für eine Allergie sind synthetische Zusatzstoffe wie etwa künstliche Vitamine, Konservierungs- bzw. Lockstoffe oder Antioxidantien. Allerdings gibt es für solche Stoffe keinen Allergietest, mit dem sie sich nachweisen ließen. Darum bleibt eine sekundäre Futtermittelallergie im ersten Stadium oft unerkannt.

Was für die Hauptmahlzeiten gilt, trifft natürlich auch auf Leckerlis und Ergänzungsfutter zu. Zwischenmahlzeiten, Selbstgekochtes, Leckerchen sowie Ergänzungspräparate sollten ebenfalls frei von allen synthetischen Zusatzstoffen sein.

Für Allergiker gilt: Schon kleinste Mengen können allergieauslösend sein. Nicht die Menge, sondern der Kontakt mit dem Allergen entscheidet.

Eine Allergie verstärkt sich und greift um sich

Hat der Körper einmal fehlerhaft – also allergisch – reagiert, so weitet sich diese Reaktionsweise aus: der Hund reagiert auch auf andere Dinge in seinem individuellen Umfeld allergisch. Bekommt er etwa ein weizenhaltiges Futter, das mit Allergenen belastet ist, kann sich eine Allergie gegen Weizen einstellen. In diesem Stadium würde ein Allergietest auf Weizen anschlagen, ohne dass der Weizen tatsächlich die auslösende Ursache wäre.

Normalerweise hilft dann eine Umstellung auf eine weizenfreie Fütterung nicht – oder nur für kurze Zeit. Im Gegenteil: enthält das neu gefütterte, aber mit minderwertigen Stoffen belastete Futter beispielsweise Geflügel, so kann die Allergie auch auf Geflügel übergreifen. Solange die ursächlichen Allergene (Zusatzstoffe oder minderwertige Rohstoffe) nicht eliminiert werden, kann keine dauerhafte Besserung eintreten. Im Gegenteil: die Allergie verstärkt sich und greift um sich.

In diesem Fall ist es durchaus möglich, auch bei einer per Allergietest festgestellten Weizenallergie, ein weizenhaltiges Futter zu füttern. Einzige Vorausetzung ist, dass der Weizen von einwandfreier Qualität und nicht mit Zusatzstoffen belastet ist. Obwohl das Futter Weizen enthält, würde in einem solchen Fall die Allergie zurückgehen. Wenn es sich nämlich um eine sekundäre Weizenallergie handelt, sind die auslösenden Zusatzstoffe oder minderwertigen Rohstoffe nicht mehr vorhanden. Daraufhin kann der Organismus seine fehlerhafte, allergische Reaktion wieder korrigieren.

Eine gesunde Darmflora stärkt das Immunsystem

Die Zusammenhänge zwischen Darmflora und Immunsystem sind für die Gesundheit wesentlich. Denn eine gesunde Darmflora trägt entscheidend dazu bei, das Immunsystem zu unterstützen und zu stärken. Dies liegt daran, dass der Magen-Darmtrakt als größtes Resorbtionssystem des Organismus die wichtigste Rolle in der Abwehr gesundheitsschädlicher Mikroorganismen und anderer Fremdsubstanzen spielt. Eine gesunde Mikroflora des Darms ist daher auch für Allergiker entscheidend.

Die meisten allergischen Hunde weisen eine mangelhaft entwickelte oder stark beschädigte Darmflora auf. Breiiger Kot, Blähungen und andere Verdauungsirritationen sind oft Anzeichen für die Allergie des Hundes. Daher sollten diese Symptome nicht mit Medikamenten und / oder Zusatzpräparaten unterdrückt werden. Statt dessen sollte der Organismus die Zeit bekommen, seine Darmflora auf natürliche Weise von Grund auf zu regenerieren.

Allergien ganzheitlich bekämpfen

An dieser Stelle sei auch darauf hingewiesen, dass die Bekämpfung einer Allergie neben der Fütterung auch die Bereiche der Pflege und Haltung sowie der medizinischen Versorgung einschließen sollte. Geht man das Problem ganzheitlich an, erhöhen sich die Chancen auf einen dauerhaften Erfolg.

Fallbeispiel aus unserer Beratungspraxis:
5 jährige Bordercollie Hündin Jessi

Die temperamentvolle Bordercollie Hündin Jessi war bis zum Alter von ca. 3 Jahren ohne allergische Symptome. Lediglich bei starker Aufregung z. B. bei der Teilnahme an einer Agilityveranstaltung war das letzte Viertel des Outputs breiig bis dünnflüssig. Das kam allerdings nur selten vor. Gefüttert wurde sie mit Trocken- und Nassfutter sowie ein- bis zweimal wöchentlich mit einer BARF-Ration, die mit einem Vitamin- und Mineralstoffpräparat ergänzt wurde.

Als sie dreijährig einen akuten Durchfall bekam, wurde sie vom Tierarzt mit Antibiotika behandelt. Die Symptomatik verschwand für ein paar Tage, setzte aber nach Absetzen der Antibiotika bald wieder ein. Danach erhielt sie noch zwei weitere Antibiotikakuren (Antibiosen) mit immer demselben Verlauf. Gefüttert wurde sie in dieser Zeit mit Reis mit Hühnchen sowie einem Vitaminpräparat. Die Symptomatik verlor ihren akuten Charakter und wurde chronisch. Der Kot war jetzt immer breiig, nur selten etwas fester. Sie musste häufig nachts raus und wurde zunehmend nervöser. Zudem bildete sich desöfteren an verschiedenen Körperstellen kreisrunder, juckender Haarausfall aus.

Der Tierarzt stellte nun die Diagnose Futtermittelallergie. Es wurde ein Allergietest gemacht, wobei eine Unverträglichkeit gegen Weizen festgestellt wurde. Jessi wurde auf ein „Tierarztfutter" auf Basis von hydrolysiertem Sojaprotein umgestellt und mit Apoquel behandelt. Nach kurzzeitiger Besserung setzten die Symptome wieder ein. Ein erneuter Allergietest zeigte nun eine Unverträglichkeit auch gegen Soja. Der Halter wechselte dann noch mehrmals die Futtersorte, testete Nassfutter und selbstgekochte Rationen - alles ohne durchschlagenden Erfolg. Die nächtlichen Spaziergänge aufgrund des verstärkten Drangs, der permanent breiige bis durchfällige Kot sowie die zunehmende Nervosität der Hündin setzten sowohl Hund als auch Halter enorm zu. Auch die eingeleitete Kortisonbehandlung änderte auf Dauer nichts an diesem Zustand.

Als Jessi 5 Jahre alt war, meldete sich ihr Halter in unserer Beratung. Nach eingehender Prüfung wurde Jessi auf eine Fütterung ohne Zusatzstoffe (Trocken- und Nassfutter) umgestellt, weil wir von einer allergischen Reaktion auf synthetische Zusatzstoffe ausgingen. Alle Zusatzpräparate, synthetisch angereicherte Leckerchen sowie alle anderen chemischen Präparate und Medikamente wurden zusätzlich abgesetzt. Die Kortisongaben wurden über 3 Monate Schritt für Schritt bis auf Null reduziert. Schon nach 3 Wochen ging es der Hündin deutlich besser. Nach ca. 4 Monaten hatte die Darmflora sich erholt und die Durchfallsymptomatik war abgeklungen. Auch der Haarausfall war verschwunden. Heute ca. 2 Jahre später geht es Jessi immer noch gut. Übrigens: Gefüttert wird Jessi heute u. a. auch mit einem weizenhaltigen Trockenfutter - allerdings immer noch ohne Zusatzstoffe. Zudem hat sich der Halter auf einen neuen und maßvolleren Umgang mit chemischen Präparaten eingestellt.

Dieses Fallbeispiel zeigt zwei Dinge ganz deutlich:

1. Die im Allergietest festgestellte Unverträglichkeit gegen Weizen war keine primäre sondern eine sekundäre Futtermittelallergie. Die weizenfreie Fütterung brachte keine anhaltende Besserung. Im Gegenteil, sie führte dazu, dass die Allergie sich auch auf Soja ausweitete. Und dies trotz begleitender medikamentöser Therapie durch den Tierarzt.

2. Nur die Vermeidung der tatsächlichen Ursachen - nämlich die Ernährung ohne synthetische Zusatzstoffe sowie der Verzicht bzw. der maßvolle Umgang mit chemischen Präparaten und Medikamenten - brachte den durchschlagenden und dauerhaften Erfolg.

An diesem Fallbeispiel kann man sehr gut erkennen wie wichtig es ist, die wahren Ursachen einer Allergie auszumachen. Die zum Teil fast ideologische Bekämpfung von harmlosen Futterzutaten führt selten zum Erfolg. Wichtig ist am Ende doch nur, dass es Hund und somit auch Halter wieder gut geht - unabhängig davon, ob man ein Futter mit oder ohne Getreide füttert, barft oder auf Trockenfutter zurückgreift.

Zum Abschluss möchte ich noch auf eine zweiteilige Podcastreihe mit dem Titel Der Marengo Stufenplan zur Allergiebekämpfung hinweisen, die sich mit den detaillierten Maßnahmen zur Allergiebekämpfung auseinandersetzt. Es werden alle wichtigen Aspekte zur Allergenminderung und Allergenvermeidung angesprochen und konkrete Lösungsvorschläge gemacht. Hierbei werden auch die Bereiche der Pflege und Haltung sowie der medizinische Versorgung einbezogen.

Copyright by Ingeborg Kulgemeyer
Aktualisiert Januar 2021

tiergesundheit.net
eine Initiative von: